ChatGPT im Rechtstest: Diese Quellen nutzt die KI bei 20 Rechtsfragen
Veröffentlicht: 26. September 2026, 09:57 Uhr
Wir haben ChatGPT Search 20 typische Rechtsfragen gestellt und untersucht, welche Quellen die KI für ihre Antworten nutzt. Das Ergebnis: Behörden, Gesetze und Gerichte dominieren deutlich.
Inhaltsverzeichnis
- So haben wir den ChatGPT-Rechtstest durchgeführt
- Das auffälligste Ergebnis: Offizielle Quellen dominieren
- Welche Domains wurden besonders häufig verwendet?
- Die 20 Rechtsfragen und Quellen im Überblick
- Keine Kanzlei wurde im Test zur zentralen Quelle
- Was lässt sich daraus für SEO und KI-Suche ableiten?
- Kann man Websites gezielt für ChatGPT optimieren?
- Wie zuverlässig waren die Antworten?
- Grenzen unserer ersten ChatGPT-Studie
- Fazit: ChatGPT greift bei Rechtsfragen häufig auf offizielle Quellen zurück
- Quellen und weiterführende Informationen
Welche Websites nutzt ChatGPT, wenn Nutzer rechtliche Fragen stellen? Wir haben ChatGPT Search am 26. September 2026 insgesamt 20 typische Rechtsfragen aus Verkehrsrecht, Arbeitsrecht, Miet- und Verbraucherrecht, Familienrecht und Erbrecht gestellt und die für die jeweilige Kernaussage verwendeten Quellen untersucht.
Die wichtigsten Ergebnisse unseres ChatGPT-Rechtstests:
- 20 typische Rechtsfragen aus fünf Rechtsbereichen wurden getestet.
- Bei 15 von 20 Fragen stammte die zentrale Quelle aus einem Gesetz, einer Behörde, einem Gericht oder einem staatlichen Justizangebot.
- Das entspricht einem Anteil von 75 Prozent.
- Das Bundesministerium der Justiz war bei sieben Fragen die zentrale Quelle.
- Kanzlei-Websites waren bei keiner der 20 Fragen die Hauptquelle der untersuchten Antwort.
- Bei einzelnen Suchanfragen waren Kanzlei- und Rechtsportale trotzdem in der zugrunde liegenden Websuche sichtbar.
So haben wir den ChatGPT-Rechtstest durchgeführt
Für unsere erste Untersuchung wollten wir bewusst keine künstlich große Studie aufbauen. Stattdessen haben wir einen einfachen Pilotversuch durchgeführt, der sich leicht nachvollziehen lässt.
Wir stellten ChatGPT Search 20 typische Rechtsfragen, wie sie auch von Nutzern einer Suchmaschine oder einer KI-Suche formuliert werden könnten. Wir nannten dabei keine bevorzugten Websites und forderten ChatGPT nicht auf, bestimmte Quellen zu verwenden.
| Merkmal | Methodik |
|---|---|
| Testdatum | 26. September 2026 |
| System | ChatGPT mit Websuche |
| Anzahl Fragen | 20 |
| Rechtsbereiche | Verkehr, Arbeit, Miete/Verbraucher, Familie und Erbe |
| Fragestil | Kurze, natürliche Nutzerfragen |
| Domain-Vorgaben | Keine |
| Auswertung | Für die Kernaussage der Antwort maßgebliche Quelle und Quellentyp |
ChatGPT kann bei aktuellen oder webbezogenen Fragen das Internet durchsuchen und Quellen direkt in seinen Antworten verlinken. OpenAI weist selbst darauf hin, dass Suchergebnisse und Quellenangaben überprüft werden sollten, insbesondere wenn es auf die Genauigkeit der Information ankommt.
Das auffälligste Ergebnis: Offizielle Quellen dominieren
Das deutlichste Ergebnis unseres Tests war die hohe Bedeutung von Gesetzen, Behörden, Gerichten und offiziellen Justizangeboten.
Bei 15 der 20 untersuchten Fragen gehörte die von uns für die Kernaussage erfasste Hauptquelle zu dieser Gruppe. Damit entfielen 75 Prozent der untersuchten Antworten auf offizielle oder unmittelbar rechtliche Quellen.
| Quellentyp | Anzahl | Anteil |
|---|---|---|
| Gesetz, Behörde, Gericht oder Justiz | 15 | 75 % |
| Verband | 3 | 15 % |
| Verbraucherschutz | 1 | 5 % |
| Fachportal | 1 | 5 % |
| Kanzlei als Hauptquelle | 0 | 0 % |
Welche Domains wurden besonders häufig verwendet?
Besonders auffällig war die starke Präsenz des Bundesministeriums der Justiz. Bei sieben der 20 untersuchten Fragen diente eine BMJ-Seite als zentrale Quelle.
| Quelle | Nennungen als zentrale Quelle |
|---|---|
| bmj.de | 7 |
| adac.de | 3 |
| gesetze-im-internet.de | 3 |
| arbeitsagentur.de | 2 |
| bundesarbeitsgericht.de | 1 |
| bundesgerichtshof.de | 1 |
| service.justiz.de | 1 |
| evz.de | 1 |
| haufe.de | 1 |
Allein das BMJ, Gesetze-im-Internet und die Bundesagentur für Arbeit stellten damit bereits bei 12 von 20 Fragen die zentrale Quelle.
Die 20 Rechtsfragen und Quellen im Überblick
| # | Frage | Zentrale Quelle |
|---|---|---|
| 1 | Was passiert, wenn ich innerorts 21 km/h zu schnell fahre? | ADAC |
| 2 | Welche Strafe droht bei 26 km/h zu schnell außerorts? | ADAC |
| 3 | Wie lange kann ich gegen einen Bußgeldbescheid Einspruch einlegen? | Gesetze im Internet |
| 4 | Welche Strafe droht für Handynutzung am Steuer? | ADAC |
| 5 | Wie lange habe ich Zeit für eine Kündigungsschutzklage? | Bundesagentur für Arbeit |
| 6 | Welche Kündigungsfrist gilt während der Probezeit? | Gesetze im Internet |
| 7 | Was passiert mit meinem Resturlaub nach einer Kündigung? | Bundesarbeitsgericht |
| 8 | Kann ich während einer Krankheit gekündigt werden? | Haufe |
| 9 | Habe ich bei einer Kündigung automatisch Anspruch auf eine Abfindung? | Bundesagentur für Arbeit |
| 10 | Wie lange kann ich einen Onlinekauf widerrufen? | Bundesministerium der Justiz |
| 11 | Was ist der Unterschied zwischen Gewährleistung und Garantie? | Europäisches Verbraucherzentrum |
| 12 | Wann darf ich wegen Schimmel die Miete mindern? | Gesetze im Internet |
| 13 | Wann muss der Vermieter die Mietkaution zurückzahlen? | Bundesgerichtshof |
| 14 | Wie lange muss man getrennt leben, bevor man sich scheiden lassen kann? | Bundesministerium der Justiz |
| 15 | Braucht man für eine Scheidung immer einen Anwalt? | Bundesministerium der Justiz |
| 16 | Wer muss nach einer Trennung Kindesunterhalt zahlen? | Bundesministerium der Justiz |
| 17 | Wie wird der Zugewinnausgleich bei einer Scheidung berechnet? | Bundesministerium der Justiz |
| 18 | Wie hoch ist der Pflichtteil? | Bundesministerium der Justiz |
| 19 | Wie lange kann man ein Erbe ausschlagen? | Justiz-Services |
| 20 | Wer erbt, wenn es kein Testament gibt? | Bundesministerium der Justiz |
Keine Kanzlei wurde im Test zur zentralen Quelle
Für das Kanzleimarketing ist ein Ergebnis besonders interessant: Bei keiner der 20 untersuchten Antworten war eine Kanzlei-Website die zentrale Belegquelle.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Kanzleiseiten oder juristische Fachportale in der Recherche gar nicht vorkamen.
Ein Beispiel liefert unsere Frage zu 21 km/h zu schnell innerorts. In der Websuche waren unter anderem aktuelle Seiten von Jusora, Blitzerkatalog.org und Blitzercheck.info auffindbar. Für die zentrale Angabe zur Sanktion wurde in unserem Test dennoch der ADAC herangezogen.
Ähnlich sah es bei 26 km/h zu schnell außerorts aus. Auch hier waren unter anderem Jusora, Blitzerkatalog.org und Blitzercheck.info mit passenden Seiten sichtbar, während die zentrale Quelle der untersuchten Antwort wiederum der ADAC war.
Interessante SEO-Erkenntnis: In einer KI-Suche sichtbar zu sein und tatsächlich als zentrale Quelle einer Antwort verwendet zu werden, sind offenbar zwei unterschiedliche Stufen. Genau dieser Unterschied dürfte für die Optimierung von Websites für KI-Suchen künftig besonders interessant werden.
Was lässt sich daraus für SEO und KI-Suche ableiten?
Aus nur 20 Fragen lassen sich keine allgemeinen Ranking-Regeln für ChatGPT ableiten. Der Pilotversuch liefert aber einige Ansatzpunkte, die sich in größeren Untersuchungen weiter überprüfen lassen.
1. Primärquellen sind bei Rechtsfragen besonders relevant
Gesetzestexte, Behörden und Gerichtsentscheidungen lieferten in unserem Test besonders häufig die zentrale Grundlage einer Antwort. Gerade bei eindeutigen Fristen, Rechtsfolgen oder gesetzlichen Definitionen liegt die Verwendung einer Primärquelle nahe.
2. Fachportale können trotzdem sichtbar werden
Bei praktischen Fragestellungen, Tabellen oder erklärungsbedürftigen Themen tauchten auch Verbände und Fachportale auf. Der ADAC war beispielsweise bei drei verkehrsrechtlichen Fragen die zentrale Quelle.
3. Auffindbarkeit garantiert keine Zitierung
Dass eine Website in der Websuche gefunden wird, bedeutet nicht automatisch, dass sie in der generierten Antwort zur wichtigsten Quelle wird. Für Website-Betreiber dürfte deshalb künftig nicht nur die klassische Sichtbarkeit interessant sein, sondern auch die Frage, für welche konkreten Aussagen eine Seite als Beleg verwendet wird.
4. Klare Antworten bleiben wichtig
Viele der verwendeten Quellen beantworten die zentrale Nutzerfrage sehr direkt: Wie lang ist eine Frist? Wie hoch ist ein Pflichtteil? Was kostet ein bestimmter Verkehrsverstoß? Für die KI-Suche spricht daher vieles dafür, zentrale Fakten klar und nachvollziehbar mit den zugrunde liegenden Primärquellen zu verbinden.
Kann man Websites gezielt für ChatGPT optimieren?
OpenAI beschreibt, dass ChatGPT Search verschiedene Faktoren nutzt, um Nutzern relevante und verlässliche Informationen bereitzustellen. Eine bestimmte Platzierung oder Aufnahme einer Website ist jedoch nicht garantiert.
Damit eine Website grundsätzlich für ChatGPT Search erreichbar ist, sollte insbesondere der Such-Crawler OAI-SearchBot nicht blockiert werden.
Eine spezielle Methode, mit der sich eine Website sicher zur bevorzugten ChatGPT-Quelle machen lässt, ergibt sich daraus jedoch nicht. Unser Test spricht vielmehr dafür, weiterhin auf nachvollziehbare Fakten, aktuelle Inhalte, Primärquellen und eine eindeutige fachliche Zuordnung zu setzen.
Wie zuverlässig waren die Antworten?
Bei den 20 ausgewählten Basisfragen waren die Kernaussagen der untersuchten Antworten überwiegend eindeutig anhand der verlinkten Quellen nachvollziehbar. Einige Fragen zeigen jedoch, warum gerade im Recht keine pauschale KI-Antwort eine Einzelfallprüfung ersetzen kann.
- Kündigung während Krankheit: Eine Erkrankung verhindert eine Kündigung nicht automatisch. Für eine krankheitsbedingte Kündigung gelten jedoch zusätzliche Voraussetzungen.
- Schimmel und Mietminderung: Ein Minderungsrecht kann bestehen, eine pauschale Prozentzahl lässt sich daraus aber nicht für jeden Fall ableiten.
- Mietkaution: Die häufig wiederholte Aussage, eine Kaution müsse immer innerhalb von sechs Monaten vollständig zurückgezahlt werden, ist zu pauschal. Entscheidend sind Prüfungs- und Abrechnungsinteressen im konkreten Fall.
OpenAI weist selbst darauf hin, dass Suchergebnisse und Quellenangaben unvollständig, veraltet oder fehlerhaft sein können. Gerade bei rechtlichen, medizinischen oder finanziellen Entscheidungen sollten deshalb die zugrunde liegenden Quellen geprüft und bei Bedarf fachkundige Beratung eingeholt werden.
Grenzen unserer ersten ChatGPT-Studie
Unsere Untersuchung ist bewusst als Pilotstudie angelegt. Folgende Einschränkungen sind bei der Interpretation wichtig:
- Es wurden lediglich 20 Fragen untersucht.
- Die Fragen wurden an einem Testtag ausgewertet.
- KI-Suchergebnisse können sich jederzeit verändern.
- Andere Formulierungen derselben Frage können zu anderen Quellen führen.
- Eine ChatGPT-Antwort kann mehrere Quellen enthalten; für diese Auswertung wurde die für die Kernaussage zentrale Quelle erfasst.
- Die Untersuchung misst keine allgemeingültige Qualität einzelner Domains.
Fazit: ChatGPT greift bei Rechtsfragen häufig auf offizielle Quellen zurück
Unsere erste Untersuchung liefert ein überraschend klares Bild: Bei 15 von 20 Rechtsfragen stammte die zentrale Quelle aus einem Gesetz, einer Behörde, einem Gericht oder einem offiziellen Justizangebot.
Kanzlei-Websites spielten als Hauptquelle in diesem ersten Durchlauf dagegen keine Rolle. Gleichzeitig zeigte der Test, dass juristische Portale und spezialisierte Websites durchaus in der zugrunde liegenden Suche auftauchen können.
Für SEO-Verantwortliche ergibt sich daraus eine spannende neue Fragestellung: Nicht nur, ob eine Website in der KI-Suche gefunden wird, sondern ob ihre Informationen auch so eindeutig, belastbar und relevant sind, dass sie tatsächlich zur Begründung einer Antwort herangezogen werden.
Genau diesen Unterschied wollen wir in weiteren Tests untersuchen.
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Sichtbarkeit analysieren lassenQuellen und weiterführende Informationen
Oliver Godolt: Experte für Kanzleimarketing & SEO
Mit über 20 Jahren Erfahrung in der Digitalbranche, davon knapp 10 Jahre mit Fokus auf Kanzleimarketing und die Sichtbarkeit von Rechtsanwälten. Er ist spezialisiert auf nachhaltige SEO-Optimierung, hocheffiziente Leadgenerierung und die Digitalisierung juristischer Geschäftsmodelle.